Universität Passau: Studierendenproteste deuten sich an!

(c) Kevin Leo Schmidt
(c) Kevin Leo Schmidt

Scheinbar läuft das Fass nun über - in der Nacht vom 11. auf den 12. November 2013 wurden auf dem Campusgelände der Universität Passau Plakate aufgehängt, die den Unmut der mittlerweile rund 11.500 Studierenden artikulieren. Nachdem das Wintersemester 2013/2014 nun einige Wochen läuft, hat sich die Studiensituation in Passau bisher nicht verbessert. Noch im September rechnete die Universitätsleitung mit einem ähnlichen Niveau der Studierendenzahlen wie im Vorjahr. Präsident Prof. Dr. Burkhard Freitag äußerte sich positiv über die jüngsten Entwicklungen: "Wir freuen uns sehr, dass sich immer mehr junge Menschen für ein Studium in Passau entscheiden." Weiterhin stellte er fest, dass die Universität durch ihr gutes Studienangebot, ihre Forschungsleistung und ihre guten Plätze in Rankings äußerst attraktiv für die jungen Leute aus nah und fern sei. Mit Vorlesungsbeginn Mitte Oktober zeigte sich jedoch, dass dieser gute Ruf Passaus zunehmend in Gefahr ist.

 

Ein Aushängeschild der Passauer Universität war bisher stets die Internationale Ausrichtung und das damit verbundenen Fremdsprachenangebot. In diesem Semester findet Englischunterricht vor hunderten Studierenden im Audimax statt. Wirtschaft und Gesellschaft drängen, dass das Studium möglichst zügig abgeschlossen wird, finanzielle Unterstützungen durch BAföG hängen davon ab. Hat man für ein wichtiges Seminar jedoch Wartelistenplatz 192 inne, stehen die Chancen schlecht, das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen. Schlimm haben es auch die Wirtschaftswissenschaften erwischt. BWL-Vorlesungen können nicht mehr auf dem Campus durchgeführt werden, die Studierenden sitzen mit Popcorn und Cola im Cineplex-Kino.

 

Nicht nur die Uni, die ganze Stadt ist überfordert mit dem Ansturm neuer Studierender. Nicht zuletzt nach dem Jahrhunderthochwasser im Sommer herrscht Wohnungsnot. Viele Studierende haben keine Bleibe gefunden und hausen seit Wochen in Hotels und Jugendherbergen. Manche Hoteliers vermelden bis zu 30 studentische Gäste in ihren Räumen. Unabhängig von den finanziellen Belastungen, die für die Studierenden entstehen, ist an Lernen auf der Minibar nicht zu denken. Die positive Haltung aus den Semesterferien ist dahin, Universitätsleitung und Studentenwerk greifen zu innovativen, vielleicht auch leicht verzweifelten Mitteln: Seit gut zwei Wochen werden die Tüten von sechs Passauer Bäckerein durch "Zeigen Sie Herz! Zimmer frei für Studierende" geschmückt.

 

Scheinbar hat man erkannt, dass bei der Zulassung der neuen Studierenden in diesem Semester etwas gehörig falsch gelaufen ist. Nun wollen die Studierenden aber Antworten von höchster Stelle. Wie konnte es so weit kommen? Und womit haben wir in den nächsten Wochen und Monaten noch zu rechnen? Politik-Vorlesungen auf einem Donaukreuzfahrtschiff?

 

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